Organisation für EM 2012 stottert

WARSCHAU -. Polen, das im Jahr 2012 zusammen mit der Ukraine die Fußball-EM ausrichten soll, kommt bei der Organisation ins Straucheln. „Etwa die Hälfte der Projekte, die untersucht worden sind, werden nicht plangemäß fertig“, heißt es in einem Bericht, den die einheimische Nationale Kontrollkammer (NIK) veröffentlicht hat. Diese Behörde überprüft von Zeit zu Zeit, wie der polnische Staat seine Steuergelder verwendet. In diesem Fall geht es um den Bau von Straßen- und Autobahnabschnitten, Bahnstrecken sowie dem Ausbau von Flughäfen, die für die Sportveranstaltung notwendig sind. Darüber hinaus kritisiert die NIK, dass die Ausgaben der staatlichen Gesellschaft „2012.pl“ zu hoch seien. Sie ist für die Vorbereitung zuständig.

Damit steht die Ausrichtung des Riesen-Ereignisses wieder unter einem unglücklichen Stern – und das, obwohl Polen von den beiden Ausrichterländern eigentlich immer als der solidere Organisator gegolten hatte. Die Ukraine hingegen hat den Vertretern der europäischen Fußball-Union UEFA schon von Anfang an die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben – und zwar wegen ihrer unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage. Dabei ist dieses Sport-Event für beide Länder von sehr großer Bedeutung: Viele einheimische Politiker und internationale Investoren erhoffen sich davon einen gewaltigen wirtschaftlichen Schub und einen erheblichen Imagegewinn.

Das scheint nun wieder in Frage zu stehen. „Die Termin stehen sehr unter Druck“, bestätigte ein Sprecher der NIK auf Anfrage. 52 Investitionsprojekte von den 127, die wir kontrolliert haben, werden nicht so realisiert, wie es der Plan von 2009 vorsieht“, heißt es in dem Bericht.

Dabei ist die genauere Analyse schon besorgniserregend: „36 dieser Projekte werden erst nach Beginn der EM fertig“, heißt es. Davon sind die meisten Schnellstraßen und öffentliche Nahverkehrsprojekte in den Städten. Doch das ist noch nicht alles: Manche Projekte würden auch erst im Mai 2012 beendet – das heißt, auf den allerletzten Drücker. Und die kleinsten Probleme könnten auch hier zu einer Verspätung führen.

„Ein Teil dieser Investitionen werden sich zwar verspäten, doch wird nur einen geringen Einfluss auf die EM 2012 haben“, versuchte der polnische Sportminister Adam Giersz hingegen weiter Optimismus zu versprühen. Und auch die UEFA will sich davon nicht beeindrucken lassen. Und verdoppelte daraufhin die Zahl ihrer Fachleute, die in Polen die örtlichen Organisatoren unterstützen sollen.

Platini bleibt dabei
UEFA-Präsident Michel Platini suchte systematisch den Schulterschluss mit den Polen, indem er extra betonte: „Wir gehen davon aus, dass die EM in vier polnischen und in vier ukrainischen Städten stattfindet.“ Und der letztliche Organisationsplan werde im Oktober präsentiert. Es sieht so aus, dass die UEFA unbedingt die EM in Polen und der Ukraine sehen will – auch wenn die Probleme bei der Vorbereitung nicht klein sind. Und will damit zeigen, dass es trotz der Bedenken richtig war, die Veranstaltung in diese unsicheren Ländern zu vergeben.

Add comment September 1st, 2010

Tschechien und Slowakei erholen sich

PRAG/ BRATISLAVA - Endlich wieder mit kleinen Zuwächsen, ohne sich jedoch vollständig zu erholen: Das zeichnet Tschechien und die Slowakei im ersten Halbjahr aus – zwei kleine östliche EU-Märkte, die aufgrund ihrer Abhängigkeit vom Außenhandel im vergangenen Jahr heftig von der Krise gebeutelt worden sind. Aber immerhin: Die Gesichter der Transporteure erhellen sich wieder etwas. Der Grund: Steigende Aufträge, da die Volkswirtschaften der anderen Länder so langsam wieder Oberwasser bekommen. Doch kann von einem Ende der Probleme noch lange keine Rede sein.

„Die Entwicklung ist sehr langsam“, sagt Jan Medved der „VerkehrsRundschau“ – der Sprecher der tschechischen Transportunternehmer-Vereinigung CESMAD BOHEMIA. Mit knapp 2.000 Mitgliedern ist die Organisation die größte ihrer Art in Tschechien. Wie in anderen Ländern stemmen die LKW den Großteil der Transportlast. „Im Januar und im Februar sind die Aufträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück gegangen“, erklärt der Manager. Erst im März habe es wieder ein Plus gegeben, so der Unternehmer-Chef. Nach sechs Monaten kletterten die Volumina seinen Aussagen zufolge um 1,8 Prozent. „Dabei sind die Preise noch weit im Keller“, erklärte Medved. „Deswegen können die Unternehmen zwar wieder mehr fahren, doch können sie damit keinen Cash-Flow generieren und profitabel wirtschaften“, so der Vorstandsvorsitzende.

Und das ist nicht das einzige Problem: Auch die Zeit, innerhalb derer die Transporteure ihre Entgelte erhielten, seien noch ziemlich lang. Medved ärgert, dass die Regierung in den vergangenen zwölf Monaten die Diesel-Besteuerung zweimal erhöht hat. „Zusätzlich hat der Staat ab dem 1. Januar die Maut für LKW zwischen 3,5 und 12 Tonnen eingeführt“, sagt er. Damit seien zumindest für einen Teil der Unternehmen noch einmal zusätzliche Kosten entstanden.

Dabei dürfte es tatsächlich noch eine Weile dauern, bis sich Tschechien und die Slowakei wieder von den Einbrüchen der Vergangenheit vollständig erholt haben. Denn beide Märkte sind mit zehn bzw. fünf Millionen Konsumenten relativ klein und stark auf den Außenhandel angewiesen – anders als Polen - der größere Nachbar im Norden. Dadurch wurden diese Länder 2009 voll von der internationalen Krise erwischt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Tschechien brach um 4,1 Prozent ein. Und die Wirtschaft der Slowakei büßte sogar 4,7 Prozent ein. Insbesondere Deutschland als wichtiger Absatzmarkt war massiv zurückgegangen. Und die Gesamterlöse der Transporteure und Lagerdienstleister verringerten sich laut Tschechischem Statistik-Amt um 9,5 Prozent. Und auch die Slowaken mussten Feder lassen. Ihre Transporterlöse krachten sogar um 14,3 Prozent ein.

Automobildindustrie belastet Transporteure
Ein weiteres Problem ist, dass die beiden Standorte stark von der internationalen Automobilindustrie geprägt sind, die in der Krisenzeit sehr mit Rückgängen zu kämpfen hatte. VW hat im vergangenen Jahr beispielsweise weltweit einen Rückgang bei der Produktion um 4,6 Prozent hinnehmen müssen. Die Deutschen betreiben in der Slowakei ein Audi- und Seat-Werk in der 60.000-Einwohner-Stadt Martin – ganze 230 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava entfernt. Viele Transporteure haben ein sehr hartes Jahr hinter sich.

„Sie mussten dramatisch ihre Kosten senken, wenn sie überleben wollten“, macht Medved klar. Gespart worden sei daher sehr viel: Leider auch an der Weiterbildung der Angestellten sowie an der Überholung des Fuhrparkes. Doch manchmal nutzte auch das nichts: „Mindestens zehn Prozent aller tschechischen LKW-Transporteure mussten die Zahlungsunfähigkeit anmelden“, zieht Medved ein bitteres Fazit.

Mit ähnlichen Problemen hatten auch die Kollegen aus der Slowakei zu kämpfen. „Die Unternehmen haben die Zahl ihrer Fahrzeuge verringert, da die Aufträge ausgeblieben sind“, erklärt Peter Tóth – der Sprecher von der CESMAD Slovakia – dem Pendant zur tschechischen Organisation. Die Transporteure haben damit die hohen Steuern für die Fahrzeuge vermeiden wollen. „Es gab Entlassungen”, so der Sprecher. Jetzt – nach den ersten sechs Monaten – ist aber eine Steigerung zu spüren – genau wie in Tschechien. „Derzeit gibt es eine ausreichende Zahl von Aufträgen“, erklärt der CESMAD-Mann. Die Unternehmen erneuerten ihre Fuhrparks. Von einem Ende der Krise könne noch keine Rede sein – doch immerhin ist sie in Sichtweite. „Etwa 2011 könnten wir wieder das Niveau von 2008 erreichen, als alles begann“, prognostiziert der Sprecher.

Ganz so düster wie 2009 sieht es für die Transporteure und Logistiker somit nicht mehr aus. Die Ökonomen haben für 2010 für beide Länder ein Wirtschaftswachstum prognostiziert. Und die Gesamterlöse der Transporteure und Lagerdienstleister sind im ersten Quartal wieder leicht gestiegen: Und zwar in Tschechien um 1,2 Prozent und in der Slowakei um 3,3 Prozent. Dazu kommt, dass Deutschland wieder nach Luft schnappt – gerade von den Aufträgen dieses westlichen Nachbarn sind Tschechien und die Slowakei besonders abhängig.

“Ja, der Markt beginnt, sich langsam, aber sicher, zu erholen“, bestätigte denn auch Lenka Riegler. Die Tschechin vertritt die österreichische Spedition Eurotransline aus Leibnitz, die sowohl nach Tschechien als auch in die Slowakei fahren lässt. „Doch wird es noch Monate dauern, bis die Preise wieder steigen“, haute sie in die gleiche Kerbe wie ihr tschechischer Kollege von der CESMAD BOHEMIA. Dabei würden bestimmt noch einige Unternehmen die Segel streichen, weil das Niveau derzeit dermaßen niedrig sei. Letztlich sehe es für das Gesamtjahr 2010 allerdings gar nicht so schlecht aus.

„Januar und Februar waren sowohl im reinen Transportgeschäft als auch branchenübergreifend in den Kontraktlogistikgeschäften als Ausläufer von 2009 noch verhaltend“, analysiert auch Stefano Vincinelli – der CEO von Fiege, der für Süd- und Osteuropa zuständig ist. Seit März sei jedoch ein deutlicher Aufschwung in allen Geschäftsbereichen zu sehen – mit Auftragsspitzen im April und Juni. „Während der Krise ist Fiege auf die Kunden zugegangen, die bislang in Eigenregie ihre Logistik organisiert haben“, erklärt der Manager die Strategie für das schwere Jahr 2009. Nun profitiere das Unternehmen davon mit einer guten Auftragslage im Maschinenbau und anderen Kernbereichen. Aus seiner Sicht hat die Logistikbranche die Krise bereits deutlich hinter sich gelassen. „Wir rechnen für 2010 mit einer steigenden Geschäftsentwicklung gegenüber dem Vorjahr“, erwartet Vincinelli.

Bahnen steigern sich
Auch die Vertreter der Bahnen blicken wieder auf wachsende Volumina. Die staatliche CD Cargo aus Tschechien freute sich nach den ersten sechs Monaten wieder über eine Tonnage von 36,2 Millionen – das waren 8,5 Prozent mehr als noch zwölf Monate zuvor. Dabei kletterte auch wieder die Umsätze: Sie stiegen um 4,1 Prozent. „Eisen- und Maschinenbau-Erzeugnisse waren besonders wichtig“, sagt Petr Stahlavsky – der Sprecher des Unternehmens. Gerade hier hatte es 2009 große Rückgänge gegeben.

Der Manager sieht den stärksten Konkurrenten im Straßenverkehr – das sind Verhältnisse wie in anderen Ländern auch. „Wir müssen für jeden Kilometer Gebühren bezahlen – die LKW-Unternehmen hingegen nicht“, so seine Ansicht. Im harten Jahr 2009 hat auch die CD Cargo auf die Kostenbremse gedrückt und viele Bereiche im Unternehmen effizienter gestaltet. Insgesamt glaubt auch Stahlavsky, dass es 2010 besser wird. „Wir gehen davon aus, dass der Transport stabil bleibt und dass wir erfolgreicher sind als noch zwölf Monate zuvor“, orakelt der Sprecher. Fazit: So schlimm wie 2009 sieht es nicht mehr aus – LKW und Bahn verzeichnen wieder Zuwächse. Doch kann von stabilen Bedingungen am Markt noch keine Rede sein.

Der Beitrag ist in der Fachzeitung “VerkehrsRundschau” erschienen (www.verkehrsrundschau.de) .

Add comment August 25th, 2010

Transporteure vor Erholung

WARSCHAU - Polen – einer der größten Märkte in der EU – nimmt an Fahrt auf und scheint die schlimmste Zeit der Krise langsam zu überwinden: Die Aufträge aus Deutschland ziehen 2010 wieder an. Und die Wirtschaft und das gesamte Transportgewerbe haben das vergangene Jahr, das als äußerst schwierig galt, relativ schadlos überstanden. Und die statistischen Prognosen für 2010 sind auch nicht schlecht. Die Stimmung unter den LKW-Unternehmern ist hingegen geteilt: Neben Zuversicht ist noch massive Skepsis zu spüren. Die Bahnunternehmen stehen dabei sehr stark unter Druck.

„Die polnischen LKW-Transporteure haben bis Ende März im Vergleich zum Vorquartal zwölf Prozent mehr Aufträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erhalten“, rechnet Mariusz Odkała – Verwaltungsdirektor von der internationalen Frachtenbörse Teleroute vor. Gerade Deutschland ist für die Polen aufgrund seiner Nähe und seiner Größe besonders wichtig. Die Auftragsentwicklung mit diesem Nachbarn ist deshalb eine Art von Lackmus-Test für die gesamte Branche. Die LKW stemmen in Polen mehr als 80 Prozent der Fracht und sind deswegen fast repräsentativ für den gesamten Güterverkehr – wie in anderen Ländern auch.

„Interessant: Im Vergleich zum ersten Quartal 2009 – dem Krisenjahr – stieg die Zahl sogar um 92 Prozent“, führte Odkała weiter aus. Genauso wie sich die Gesamtwirtschaft in Deutschland wieder erholt, genauso klettern auch wieder die Aufträge für die polnischen Transporteure. „Die Transportbranche ist eben sehr stark von der wirtschaftlichen Gesamtkonjunktur abhängig“, sagte der Fachmann.

Dabei stützen sich die Polen zusätzlich auf ihre eigene - relativ stabile - Wirtschaft. Auch hier ist das BIP nach den ersten drei Monaten gewachsen – und das sogar um ganze drei Prozent. Doch das ist noch nicht alles: Die Ökonomen der EU sehen den jungen Mitgliedsstaaten bei ihren Prognosen für das gesamte Jahr 2010 in der Spitzengruppe der Gemeinschaft.

Polen macht derzeit mit seinen Wirtschaftsdaten auf sich aufmerksam, die bereits 2009 für Überraschungen gesorgt hatten. Das Land war eine der wenigen Ökonomien in Europa, die dieses schwierige Jahr ohne Einbrüche verkraftet hat. Es gab sogar noch einen Zuwachs um 1,7 Prozent - der düsteren Ahnungen und Prognosen vieler Unternehmer zu Jahresanfang zum Trotz. Ein Grund: Die starke Inlandsnachfrage.

Das Wichtige dabei: Auch die polnische Transportbranche befand sich mit dieser relativ guten Gesamtwirtschaft im Gleichschritt: Die Gesamterlöse kletterten um 2,3 Prozent auf 131,3 Milliarden Złoty (32,82 Milliarden Euro). Auch die gesamten Transportvolumina stiegen um 1,8 Prozent auf 1,69 Milliarden Tonnen. Davon fuhren die LKW-Unternehmen den Großteil von 1,42 Milliarden Tonnen und verzeichneten dabei ein Plus von 6,7 Prozent – so die teilweise geschätzten Zahlen des polnischen statistischen Hauptamtes GUS.

„Die Polen-Geschäfte haben sich bei uns in der ersten Jahreshälfte sehr positiv entwickelt“, sagte der Managing Director von Kühne+Nagel, Tobias Jerschke, im Gespräch mit der „verkehrsRundschau“. Seine Landesgesellschaft war bereits 2009 eine derjenigen im Konzern, die sich innerhalb der Gesamtgruppe positiv hervorgetan hatte. Ansonsten musste das Unternehmen insgesamt einen heftigen Umsatzrückgang um fast ein Fünftel auf 17,4 Milliarden Euro verkraften. „Wir haben 2010 Projekte realisiert, die wir bereits im Vorjahr vorbereitet haben“, erklärte Jerschke. Dazu gehört ein Supply-Chain-Projekt, bei dem Kühne+Nagel für einen globalen Pharmakonzern in der Region Warschau das Warenlager betreibt. Vor dort aus bedient das Unternehmen Polen und andere Länder in Osteuropa.

Und auch nach vorne blickt der Deutsche sehr positiv – genauso wie viele Ökonomen auch: „Die Branche beginnt derzeit tatsächlich, die Krise hinter sich zu lassen“, so seine Einschätzung. Sein Unternehmen verzeichne steigende Sendungszahlen und viele neue Projekte, die im vergangenen Jahr noch ausgesetzt worden seien. „Wir haben viele Anfragen von neuen Kunden, die nach der Krise neue Wege beschreiten wollen, aber oft auch von Kunden, deren Dienstleister die Leistung nicht erbringen können.“ Grund: Diese haben sich aus dem Markt zurück gezogen.

Kleinere Firmen guten Mutes
Auch kleinere Unternehmen zeigen Optimismus: „Die Wirtschaftswachstumsdaten sind positiv“, freute sich auch Katarzyna Nowakowska von dem polnischen Transportdienstleister Pekaes. „Die TSL-Brache ist guten Mutes und setzt weiter auf diese Entwicklung“, sagte die Sprecherin des Unternehmens, das zu den größten einheimischen Transporteuren gehört. Dieser hatte 2009 noch einen Umsatzrückgang um 22,8 Prozent auf rund 83 Millionen Euro zu verschmerzen. Dann änderte der Vorstand seine Strategie, die nun für 2010 und 2012 gilt. Offenbar sind hier die ersten Wirkungen zu sehen. So kletterte der Erlös nach den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent auf 93,9 Millionen Złoty (23,4 Millionen Euro).

„Wir haben vor allem die Handelsaktivität am einheimischen Markt vergrößert“, erklärte Nowakowska. „Sowohl beim Ganzwagentransport als sowohl bei der Beförderung von Stückgut hat es Umsatzzuwächse gegeben“, erklärte die Pekaes-Frau. Das Unternehmen konzentriere sich jetzt auf seine Kerngeschäfte – also auf den Vertrieb von Waren über sein Stückgut-Netz. Das sei ein Bestandteil der neuen Strategie, so Nowakowska. Das Unternehmen verfügt über 17 Terminale im gesamten Land. Darüber hinaus soll die Kontraktlogistik noch mehr in Fokus rücken als bisher. Doch das ist noch nicht alles: Pekaes will sein Kundenportfolio erweitern: Dazu sollen Aufträge aus dem FMCG-Bereich sowie aus der Maschinenindustrie kommen.

Dabei äußerten sich nicht alle Manager so positiv. „2009 ist doch der Warenaustausch Deutschlands mit Polen im Vergleich zu 2008 um 18,4 Prozent zurückgegangen“, sagte Günter Weber von der Spedition LOXX. Der Manager ist seit den achtziger Jahren in Polen aktiv. „Da bricht natürlich auch die Transportleistung eines Polen-Spediteurs ein – wenn auch nicht so ganz in diesem Umfang“, erklärte der Spediteur. LOXX hat allerdings keinen einzigen Mitarbeiter entlassen. Für das erste Halbjahr 2010 sei eine Konsolidierung in der Tonnage zu sehen. „Doch noch nicht im notwendigen Umfang im Transportentgelt.“

Die Auftraggeber hätten die Krise zur Frachtpreisreduzierung benutzt. „Die internationalen Konzerne nutzen ihre starke Stellung als Auftraggeber“, konstatierte Weber. Die Spedition hat unter anderem eine Direktverkehr-Verbindung für Stückgut von West-Europa bis nach Sibirien eingerichtet. Allzu optimistische Prognosen der Wirtschaftspresse oder von Ökonomen ärgern den Manager allerdings eher. 2010 werde ein schwieriges Jahr. „Arbeiten wir daran, dass wir es gut überstehen und dass 2011 halbwegs normale Bedingungen am Markt herrschen“, sagte Weber.

Preiskrieg unter den Bahnen
Die Bahn, die gerade einmal zwölf Prozent der Gesamtgüter in Polen transportiert, hat dabei noch wesentlich mehr Probleme. Dieser Markt, den der staatliche Marktführer PKP Cargo dominiert, war 2009 sogar um 19,6 Prozent eingekracht. Immerhin zeigten sich die Unternehmen zuletzt wieder etwas verbessert. PKP Cargo verzeichnete nach den ersten sechs Monaten wieder Zuwächse bei der Tonnage. Diesmal standen 54,75 Millionen Tonnen in Büchern. Das waren 21,1 Prozent mehr als noch zwölf Monaten zuvor. Auch CTL Logistics legt im Mai wieder zu – im ersten Quartal hatte es noch derbe Rückgänge gegeben.

Dabei gibt es zwei Probleme: Zum einen die Zugangsgebühren für die Gleise, die aus der Sicht der Bahnen zu hoch sind. Zum anderen prägen heftige Auseinandersetzungen um die Aufträge das Bild. Die größte Privatbahn CTL Logistics beklagt sich immer wieder, dass Konkurrenten den Zuschlag erhielten, indem sie Preise anböten, die schlichtweg unrentabel seien. „Das kann zur Insolvenz einiger Unternehmen führen“, warnte denn auch der Generaldirektor des Heizkraftwerkes Elektrownie Ostrołeka, Ryszard Niedziółka – einem Großkunden der Bahnen. Sein Unternehmen mache zwar im laufenden Jahr noch Gewinn, doch könne sich das in den kommenden Jahren wieder ändern, zitiert ihn die Fachzeitung „Nowy Przemysł“. „Dann gibt es weniger Anbieter, und die Preise steigen wieder mit Sicherheit.“

Dieser Beitrag ist in der Printausgabe der Logistik-Fachzeitung “VerkehrsRundschau” unter www.verkehrsrundschau.de erschienen

Add comment August 14th, 2010

Bre Bank wirft Chef raus

Der Aufsichtsrat der polnischen Commerzbank-Tochtergesellschaft Bre Bank hat am Montag den Vorstandsvorsitzenden Mariusz Grendowicz vom seinem Amt entbunden. Das teilte das polnische Unternehmen in einer offiziellen Erklärung ohne Angabe von Gründen mit. Nachfolger wird der Rechtswissenschaftler Cezary Stypulkowski, der zum 1. Oktober seinen Dienst antritt. Der Manager agierte früher unter anderem als Vorstandsvorsitzender des polnischen Versicherers PZU. In der Zwischenzeit soll der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wieslaw Thor kommissarisch den Vorsitz übernehmen. Nach Auskunft der polnischen Tageszeitung “Rzeczpospolita” hat ein Konflikt mit zwei Aufsichtsratmitgliedern zu der Demission geführt. Darunter habe sich auch der Aufsichtsvorsitzende Maciej Lesny befunden. “Diese Entscheidung kommt überraschend”, zitiert das Blatt den Bankanalysten Dariusz Gorski von Wood&Co.

Add comment August 2nd, 2010

“Woodstock” kein zweites Duisburg

WARSCHAU – Mit Gelassenheit, einer großen Portion Festival-Erfahrung, aber auch mit Alkohol- und Drogenverboten: So sehen die Organisatoren ihrem eigenen Rock-Event „Haltestelle Woodstock“ in der westpolnischen Grenzstadt Kostrzyn (Küstrin) entgegen. Damit ist die Veranstaltung an diesem Wochenende die größte ihrer Art des Kontinents – mit bis zu 400.000 jungen Leuten, die aus ganz Europa erwartet werden.

Es geht darum, sich bei den Polen zu bedanken, die im Januar eine karikative Spendenaktion unterstützt haben. Dabei steht die „Haltestelle Woodstock“ diesmal unter dem schockierenden Eindruck des Techno-Spektakels „Love Parade“ in Duisburg von vor einer Woche. Dort waren bei einer Massenpanik mehr als 20 Menschen zu Tode gekommen. Mehrere hundert waren verletzt worden. Die bange Frage: Ist so etwas auch hier möglich?

„Es gibt kein Risiko, dass es zu so einer Tragödie kommt“, erklärt hingegen Sławomir Konieczny - der Polizeisprecher der Region Lubuskie, die dafür zuständig ist. Denn dieses Festival habe ein anderes Ausmaß als die „Love Parade“, an der über eine Million Partygäste teilgenommen hätten. „Es wird kein Eintritt verlangt, es findet unter freiem Himmel statt, und das Gelände ist weder von Bebauung noch von Zäunen umgeben“, sagt Konieczny. Staus, die durch eine Einlasskontrolle entstünden, werde es nicht geben. „Und ein Abfluss der Partygäste ist ständig möglich.“

Tausende von Polizisten
Rund 1.000 Polizisten werden für die Sicherheit sorgen – dazu kommen freiwillige Helfer, schließlich genießt dieses Festival in der gesamten Region Kultstatus. Zusätzlich sollen rund 300 Schilder auf dem Gelände bei der Orientierung helfen. Auto fahren ist dort vollständig verboten.

Gut vorbereitete Nachbarn
„Die Polen sind gut vorbereitet“, findet auch Jens Lawrenz – Sprecher des Kinder- und Jugendclubs FRIZZ Kindervereinigung Seelow. Seine Organisation aus dem benachbarten Brandenburg ist ein deutscher Medienpartner des Festivals. Lawrenz rechnet mit insgesamt 20.000 bis 30.000 deutschen jungen Leuten, die daran teilnehmen. „Schließlich veranstalten sie dieses Event ja schon seit sechs Jahren an diesem Ort“, weist der Jugend-Kenner auf die Erfahrung der Polen hin. Und ganz wichtig: „Es ist ja auch nicht kommerziell wie die Love Parade“.

Darüber hinaus erlauben die Polen nur die begrenzte Ausgabe von Alkohol, der zu einer negativen Stimmung führen könnte. Und nicht nur, wenn es um das Bier, Wein oder Schnaps geht. Alle Drogen – egal, ob weiches Marihuana oder richtig harter Stoff – sind in Polen sogar komplett verboten. „Das haben wir unseren jungen Leuten auch ganz klar gesagt“, unterstreicht Lawrenz. „Die polnische Polizei nimmt jeden sofort in Haft, der damit erwischt wird.“ Und es drohen empfindliche Strafen. „Die sind da ganz konservativ und überhaupt nicht zimperlich.“

Add comment Juli 29th, 2010

Gothaer kommt nach Polen

WARSCHAU – Die Gothaer Allgemeine Versicherung steht in Polen vor dem direkten Einstieg beim polnischen Versicherer PTU. „Der Versicherer steht kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen“, hieß es aus Finanzkreisen. Es geht um die Übernahme eines Anteils von 45,4 Prozent, die derzeit noch von zwei Tochtergesellschaften des polnischen Chemiekonzerns Ciech gehalten werden. Die polnische Finanz-Zeitung „Parkiet“ geht von einem Preis von 85 Millionen Zloty (21,25 Millionen Euro) aus.

Add comment Juli 22nd, 2010

Börse aufs Parkett

WARSCHAU – Polen macht bei der Privatisierung seiner staatlichen Börse in Warschau (GPW) wieder einen wichtigen Schritt nach vorne. Das zuständige Ministerium für Staatsvermögen (MSP) hat eine gesamte Beratergruppe für das neue angepeilte IPO ausgewählt. Der ursprünglich vorgesehene Verkauf der gesamten GPW an einen strategischen Investor war nämlich Ende des vergangenen Jahres gescheitert. Dabei hatte sich unter den Interessenten auch die Deutsche Börse befunden

Auf der neuen Beraterliste befinden sich jetzt JPMorgan , Goldman Sachs und UBS – aber auch einheimische Banken wie die halbstaatliche PKO BP. In der ersten Novemberhälfte will das Land 63 Prozent der Aktien am eigenen Finanzplatz anbieten. Polen soll dabei die strategische Kontrolle behalten. Weitere Einzelheiten über die Offerte stehen noch nicht fest.

„Das wird ein gigantisches IPO“, sagte der Sprecher des Ministeriums für Staatsvermögen, Maciej Wewiór. Doch sei dabei weniger der Emissionserlös „gigantisch“, den Polen damit erzielen könne, als vielmehr die Symbolwirkung, die davon ausgehe. „Damit findet endlich – mehr als 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus - die wirtschaftliche Transformation des Landes einen Abschluss“, lobte Wewiór diesen Börsengang in höchsten Tonen. Schließlich sei die GPW nur eine der wenigen Börsen in Europa, die sich noch in staatlicher Hand befinde.

Tatsächlich wäre mit dem IPO im November endlich ein jahrelanges Tauziehen um die GPW beendet. Es gab schon mehrere Privatisierungsversuche – doch immer wieder funkten die wechselnden Regierungen dem Vorstand in seine Arbeit hinein. Denn die Börse war aufgrund ihrer Bedeutung für die Gesamtwirtschaft immer besonders politisch wichtig.

Mit dem Regierungswechsel vor knapp drei Jahren, als der liberal-konservative Premier Donald Tusk ans Ruder gekommen war, nahm die Privatisierung des Finanzplatzes zwar wieder an Fahrt auf. Doch drückte Ende 2009 die Finanzkrise auf die Stimmung an den internationalen Märkten. Und Investoren waren nicht so leicht zu einem Einstieg zu überreden. Deshalb ist auch dieser Verkaufsversuch letztlich gescheitert. Und das war wiederum ein Grund, warum die Regierung ihre Privatisierungsprognose für 2009 nicht eingehalten hat.

Kooperation mit US-Amerikanern
Dabei hat die GPW derzeit eine Menge anzubieten – sowohl, was die internationalen Aktivitäten als auch was die Zahlen anbelangt: Der Finanzplatz hat gerade mit der NYSE Euronext eine strategische Kooperation beschlossen und sich damit international breiter aufgestellt. Die Polen benutzen nun eine Handelsplattform der US-Amerikaner. Das neue System wird die alte Struktur namens „Warset“, die seit dem Jahr 2000 in Betrieb ist, zur Jahreswende 2011/ 2012 ersetzen – so sehen es die Planungen vor.

Und auch die Zahlen des Handelsplatzes stimmen: Denn die GPW ist mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 762 Milliarden Zloty (190,5 Milliarden Euro) und 384 Gesellschaften die stärkste Börse in Ostmitteleuropa. Mit 34 Unternehmen, die in den ersten sechs Monaten den Gang aufs Parkett wagten, ist die GPW die treibende Kraft am europäischen IPO-Markt. Nirgendwo auf dem Kontinent gingen mehr Börsengänge über die Bühne. Zum Vergleich: In Deutschland waren es gerade einmal kümmerliche fünf IPO.

Zusätzlich war die Offerte des einheimischen Versicherers PZU vom Mai mit einem Volumen von 2,1 Milliarden Euro sogar die drittgrößte weltweit. Außerdem haben die Warschauer 2009 einen Nettogewinn von 91 Millionen Zloty (etwa 22,8 Millionen Euro) erwirtschaftet – und das im Jahr 2009, das aufgrund der Finanzkrise extrem schwer gewesen ist. „Der Gewinn im laufenden Jahr dürfte nicht so hoch ausfallen wie 2009“, sagte der Chef der GPW, Ludwik Sobolewski, Ende April.

“2010 ähnlich gutes Ergebnis wie im Vorjahr”
Doch er bemühe sich, dass das Ergebnis ein ähnliches Niveau haben werde. „Nach zwei Krisenjahren bin ich der Überzeugung, dass die Grundlagen unserer Struktur und unsere Investoren-Basis ungewöhnlich stark sind“, fügte der Manager nicht ohne Stolz hinzu. Polen ist eines der wenigen Länder in Europa, das die Finanzkrise ohne Rückgänge verkraftet hat. Und natürlich hat davon auch die Warschauer Börse profitiert.

„Wegen der Ergebnisse der Börse rechne ich auch mit einem durchaus guten Emissionserlös fürs IPO“, sagte Cesary Nowosad. Der einheimische Privatisierungsexperte vertritt den BCC Centre Club – eine der größten Warschauer Unternehmervereinigungen. Allerdings verspricht der Fachmann der Regierung, wenn es um die Bedeutung des neuen GPW-Verkaufsplans geht. „Dadurch ändert sich doch nicht so viel in der alten Börsenstruktur“, so der Fachmann. Anders wäre es gewesen, wenn ein strategischer Investor die Kontrolle übernommen hätte. „Das wäre ein echter Einschnitt gewesen.“

Add comment Juli 20th, 2010

Homo-Parade ohne Störungen

WARSCHAU - Die internationale Homosexuellen-Parade „EuroPride 2010“ ist am Samstag in Warschau ohne größere Störungen über die Bühne gegangen – trotz einer aufgeheizten Stimmung im Vorfeld. Rund 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in einem bunten und lautstarken Umzug durch die polnische Hauptstadt gezogen. Dabei nahm die Polizei, die mit einem starken Aufgebot vertreten war, nur einige nationalistische und religiöse Gegendemonstranten fest.

Es war das erste Mal, dass diese Demonstration in Osteuropa organisiert worden ist. „Das war für uns ein Feiertag für die Gleichberechtigung“, sagte Robert Biedron – Sprecher der homosexuellen „Kampagne gegen Homophobie“. Insbesondere im katholischen Polen, das kaum über liberale Traditionen verfügt, ist die Situation von Homosexuellen schwierig. „Viele Polen wissen nur sehr wenig von diesem Thema“, erklärte Biedron.

Die Organisatoren und Biedron waren im Vorfeld auf Konfrontation gegangen, indem sie auf Plakaten mit der Losung „Fürchtet Euch nicht!“ für die Veranstaltung warben. Mit diesen berühmten Worten hatte der verstorbene polnische Papst Johannes Paul II sein Amt auf dem Peterplatz in Rom angetreten. Damit hatte er seine Landsleute in Polen aufmuntern wollen, die die Kommunisten bedrückten. In Polen ist Johannes Paul II für alle unantastbar. Es gilt als verpönt, seine Aussagen für politische Zwecke zu verwenden.

„Das ist eine besondere Provokation“, wetterte denn auch der nationalkonservative Politiker Boleslaw Piecha. Der 56jährige Gynäkologe war vor einigen Jahren noch stellvertretender Gesundheitsminister in der damaligen Regierung unter Jaroslaw Kaczynski gewesen. „Die Veranstalter provozieren mit Sexualität - ganz so, als ob das das wichtigste wäre“, ereiferte sich der Arzt.

55.000 Warschauer für Verbot
Dabei wusste Piecha durchaus einen spürbaren Teil der Warschauer hinter sich: Einer der Gegenumzüge trug den Namen „Grunwald-Marsch“ und wollte damit an die polnische Schlacht von Grunwald vor 600 Jahren gegen den Deutschen Ritterorden erinnern – ganz so, als es eine heilige und nationale Pflicht, die „EuroPride“ zu verhindern. Und 55.000 Warschauer hatten mit einer Unterschriften-Aktion versucht, Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz zu einem Verbot der Demonstration zu bewegen. „Unser Staat garantiert aber die Freiheit solcher Manifestationen – unabhängig von den dargelegten Bekenntnissen“, wand sich die gelernte Juristin etwas aus der Affäre. Es schien, als wollte sie lieber nicht mit Thema befassen.

„Ich bin hier, um meiner Tochter zu zeigen, dass wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben“, sagte hingegen eine Mutter, die an der Demonstration teilnahm – und das bereits zum dritten Mal. Sie zeigte damit, dass sich auch viele Warschauer damit solidarisierten. „Ich will meiner Tochter Toleranz lehren“, erklärte sie. „Gleichberechtigung ist ein Wert.“ Und daran mangele es halt noch sehr in Polen.

Add comment Juli 18th, 2010

Doch keine neuen Druckereien

WARSCHAU – Die Angst war groß in den vergangenen Jahren am deutschen Druckereimarkt: Die Unternehmen wie der Heinrich Bauer Verlag könnten verstärkt ihre Werke in Deutschland aufgeben und in die neuen EU-Länder wie Polen, Tschechien oder in die Slowakei verlagern. Zu sehr belasteten die deutschen Druckereien die hohen Kosten, und zu stark war die Konkurrenz zuhause. Dabei schienen die neuen Märkte gute Alternativen zu sein, da sie nicht nur geringere Produktionskosten anboten, sondern von Deutschland aus auch verhältnismäßig leicht zu erreichen waren.

Doch nun hat sich erwiesen, dass diese Furcht weitgehend unbegründet gewesen ist. Große Unternehmen wie Heinrich Bauer planen dort keine weiteren Projekte, und die große Pioniereuphorie der Anfangszeit ist verflogen. „Wir peilen eher keine Ausbauinvestitionen an“, sagte Sławomir Bandurski. Der Manager ist beim Heinrich Bauer Verlag in Polen für das Druckerei-Geschäft zuständig. Die aktuelle Lage am polygraphischen Markt dürfte sich nämlich in absehbarer Zeit nicht ändern, so der Fachmann.

Hintergrund: Der internationale Konkurrenzkampf unter den Druckereien ist zwar in den vergangenen Jahren immer größer geworden und Investitionen in die neuen EU-Länder scheinen da durchaus eine Lösung für viele Unternehmen zu sein. Doch gleichen sich die Kosten an diesen Märkten immer mehr den Niveaus im Westen an. „In Polen steigen beispielsweise die Preise für Energie und Gas kontinuierlich und sind mit denen in manchen EU-Ländern vergleichbar, auch wenn natürlich gewisse Kostenvorteile bleiben“, sagte Bandurski. Er dachte dabei unter anderem an die Löhne in Polen, die durchschnittlich bei 810 Euro liegen und damit immer noch weit unter hinter denen in Deutschland zurückbleiben. „Es ist aber insgesamt schwer, einen massiven Verlagerungstrend in diese Länder zu beobachten, erklärte der Fachmann.

Dabei war Heinrich Bauer einer der Verlage gewesen, der mit seinem starken Engagement beim unmittelbaren Nachbarn Polen für diese Unruhe gesorgt hatte. Das Unternehmen hatte schon zu Beginn der Neunziger Jahre damit begonnen, sich intensiv in dem jungen EU-Land zu engagieren. „Wir haben diese Druckereien dort gebaut oder ausgebaut, um dem steigenden Bedarf im Land in der gesamten Region nachzukommen“, führte Bandurski weiter aus.

Dabei sieht die Bilanz derzeit so aus: Im vergangenen Jahr hat der Medienkonzern weltweit etwa einen Erlös von zwei Milliarden Euro erwirtschaftet. Welche Bedeutung das Polen-Geschäft für die gesamte Gruppe hat, zeigt sich an den aktuellen Mitarbeiterzahlen: Von den insgesamt 9.000 Angestellten werden rund 2.000 in Polen beschäftigt. Dort betreibt das Unternehmen nicht nur Druckereien, sondern hält auch den Mehrheitsanteil an dem größten polnischen Privatradio RMF.FM sowie an „interia.pl“ – einem der populärsten Internetportale des Landes. „Das Druckerei-Geschäft spielt dabei eine wichtige Rolle“, erklärte Bandurski, ohne eine genaue Zahl zu nennen.

“Überwiegend für polnische Kunden”
„Wir drucken neben den Konzernaufträgen überwiegend für polnische Kunden“, gewährte Bandurski einen kleinen Einblick in die derzeitigen Geschäfte. Doch habe das Unternehmen auch Order aus Deutschland und Österreich sowie aus der Region – nämlich aus Russland, Tschechien sowie der Ukraine.

Aktuell betreibt Heinrich Bauer in Polen zwei Druckereien, die beide in Sonderwirtschaftszonen liegen und damit von Steuerermäßigungen oder anderen staatlichen Vergünstigungen profitieren. Die erste befindet sich in der Gemeinde Nowogrodziec in Westpolen – etwa dreieinhalb Autostunden südöstlich von Berlin entfernt.

Das zweite Werk haben die Deutschen in der nordpolnischen 50.000-Einwohner-Stadt Ciechanow errichtet, die etwa anderthalb Autostunden nördlich der Hauptstadt Warschau liegt. Es ist bereits 1997 entstanden und wurde systematisch vergrößert: Anfangs beschäftigte Heinrich Bauer hier nur 312 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jetzt – 13 Jahre später – sind es sogar 460 Angestellte – also die Hälfte mehr als am Anfang.

Die Mediengruppe hatte dabei nicht gespart und in den vergangenen Jahren noch einmal eine spürbare Summe in das Werk investiert: So flossen zwischen dem Juli 2007 und dem Oktober 2008 insgesamt 80 Millionen Złoty (rund 20 Millionen Euro) in den Ausbau. Damit erweiterte Heinrich Bauer die Produktionskapazitäten um 60 Prozent. Das hat ihm in Ostmitteleuropa schon einige Aufmerksamkeit eingebracht: So ist die Fabrik die zweitgrößte in der Region, die mit Flexodruck arbeitet. Innerhalb der Stadt Ciechanów ist Heinrich Bauer damit einer der wichtigsten Arbeitgeber.

Steigende Kosten durch Euro
Doch jetzt hat auch ein solch lokal starker Arbeitgeber mit steigenden Kosten zu kämpfen. Dabei spielt auch der Währungsunterschied eine nicht unwichtige Rolle, da Heinrich Bauer auch für ausländische Kunden aktiv ist. Polen hat nach wie vor seine nationale Währung – den Złoty. Er war zwischenzeitlich in den vergangenen Jahren so stark, dass er gerade den einheimischen Exporteuren schwer im Magen gelegen hat.

Einen genauen Termin für die Euroeinführung hat die Regierung aber bisher nicht genannt – auch wenn die Bemühungen in der Vergangenheit zu sehen waren. Die Griechenland-Krise bewirkt nun, dass sich das Land nicht unbedingt beeilt, die Gemeinschaftswährung einzuführen. Für internationale Konzerne wie Heinrich Bauer ist das natürlich noch ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Doch ein Fazit lässt sich in jedem Fall ziehen: Große Verlagerungstrends von Druckereien dürfte es in naher Zukunft nicht geben. Und das dürfte in Deutschland für Ruhe sorgen.

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Börse gemeinsam mit Amis

WARSCHAU – Die Warschauer Handelsplatz (GPW) und die internationale Börsen-Gruppe NYSE Euronext haben eine langfristige strategische Partnerschaft geschlossen. Die Polen erwerben dabei die Plattform NYSE Technologies™ (UTP – Universal Trading Platform), über die Produkte vom Kassa- und vom Sekundärmarkt gehandelt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Beide Unternehmen nennen keine preislichen Volumina. Die neue Plattform soll das alte System Warset zur Jahreswende 2011/ 2012 ersetzen, berichten polnische Medien.

Zum einen stärkt damit die NYSE ihre Position in Ost- und in Mitteleuropa, da die GPW mit einer Marktkapitalisierung von 187 Milliarden € eine der stärksten Handelsplätze in dieser Region ist. Derzeit sind dort 382 Aktien notiert. Zum anderen weiten die Polen auf die Weise ihre internationalen Aktivitäten aus. Bisher sind sie überwiegend in ihrer Region aktiv, wo sie unter anderem Kooperationen mit Handelsplätzen in Rumänien und in der Ukraine unterhalten. Dieser Schritt ist auch deswegen wichtig, weil die Privatisierung im vergangenen Jahr gescheitert war. Die Deutsche Börse hatte Ende Dezember 2009 wegen angeblich zu hoher preislicher Vorstellung der Polen einen Rückzieher gemacht.

“Wichtige Kooperation”
„Diese Zusammenarbeit ist zweifelsohne einer der wichtigsten Schritte, der die GPW als internationalen Markt nach vorne bringt“, betonte jetzt auch noch einmal der Chef der Warschauer Börse, Ludwik Sobolewski. Das sei der unmittelbare Effekt der Strategie, den der Vorstand in den vergangenen Jahren eingeführt habe. Hier hatte es die Führungsriege auch niemals so ganz leicht, weil sie unter dem unmittelbaren Einfluss der polnischen Regierung steht, die der Eigentümer des Handelsplatzes ist. Jetzt, nachdem die Deutschen ausgestiegen sind, sollen im vierten Quartal 2010 Anteile des Handelsplatzes auf dem eigenen Parkett angeboten werden.

Dass die Polnische Börse durchaus attraktiv ist, zeigen auch die Zahlen. Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wagten insgesamt 34 neue Unternehmen in Warschau den Gang aufs Parkett. Damit lagen die Polen innerhalb von Europa aus dem ersten Platz, das insgesamt 55 IPO verzeichnet hatte. Doch nicht nur auf dem Kontinent, sondern auch darüber hinaus haben die Warschauer bereits auf sich aufmerksam gemacht: Das Debüt des einheimischen Versicherers PZU war bis Ende Mai mit insgesamt 2,1 Milliarden € das drittgrößte IPO weltweit.

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